Hafen Bohmte: Grüne sprachen mit ausscheidendem Betreiber

Bohmte – Anlässlich seines Abschieds aus dem Kanal-Umschlag fand auf Einladung der Grünen am 30. März ein Gespräch mit Carl Wilhelm Zerhusen statt. Er habe alles zur Übergabe an die Hafengesellschaft Wittlager Land (HWL) zum 1. April vorbereitet, berichtete der bisherige Betreiber der Anlage. Die Weiterbeschäftigung seiner beiden Vollzeit-Mitarbeiter sei zugesichert worden...

...Ursache für die Geschäftsaufgabe ist der Verkauf von Hafengrundstück und Gebäude an die HWL. Die plante, einen Containerhafen in direkter Nachbarschaft zum Zerhusen-Hafen zu bauen. Über die Förderung der HWL durch die Wasser- und Schifffahrtsbehörden war es 2014 zu einer juristischen Auseinandersetzung gekommen. Das Gericht beanstandete die vorgesehene Förderung forderte, realistische Umschlagsprognosen vorzulegen.

Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit der HWL-Planungen wurden beim Treffen seitens der Grünen bekräftigt. Während Zerhusen für sich über 20 Jahre 420.000 Ladeeinheiten geplant habe, wolle die HWL weiterhin ca. 1,4 Mio. erreichen. „Wie soll es mit dem Umschlag von Getreide und Dünger weitergehen, ab wann ist mit Schwerlastumschlag zu rechnen und wie sollen die zukünftig dreilagig beladenen Schiffe überhaupt Bohmte erreichen, wenn sie nicht die Brücken des Mittellandkanals unterqueren können“, lauten einige Fragen der Grünen. Unklar sei, was aus den vorhandenen Gebäuden werde.

Auf die erheblichen finanziellen Risiken für die an der HWL beteiligten Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln sowie für den Landkreis Osnabrück wies Reinhard Heemann hin. „Zu berücksichtigen sind auch die zu erwartenden hohen Kosten zur Ertüchtigung der Hafenanlage für Schwerlast- und Massengüter“, so das Vorstandsmitglied der Bohmter Grünen.

Offen sei auch, wie viel Fläche für die Ansiedlung für Gewerbe und Industrie tatsächlich in Anspruch genommen werden solle, wofür eine Studie einen Bedarf von 200 ha aufgezeigt habe. Nachdem von Grundstückseigentümern erklärt worden sei, in keinem Fall verkaufen zu wollen, sei die Verfügbarkeit fraglich.

Ungeklärt sei zudem die Errichtung eines für die Bundesbezuschussung notwendigen Bahnanschlusses, der nach Kenntnis der Grünen ca. 10 Mio Euro kosten würde. Weitere Millionen müssten demnach für die Verlagerung des Schrott-Recyclings für das Stahlwerk Georgsmarienhütte aus Osnabrück eingeplant werden. Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes seien bis 2030 keine Gelder für den Ausbau der beiden Schleusen des Osnabrücker Hafens vorgesehen.

Kritik an der zusätzlichen Belastung mit bis zu 900 Lkw-Fahrten pro Tag betonte die Ostercappelner Fraktionsvorsitzende Petra Lucas. Wenn der Weitertransport hauptsächlich über die Straße erfolge, sei vor allem mit mehr Lärm nicht nur für die Anwohner der B 51 zu rechnen. Zu fordern seien frühzeitige Offenlegung der Planungen und die rechtliche Beteiligung der betroffenen Bürger.


Hafenübergabe Bohmte
Foto: Ein Blumenpräsent überbrachten dem ausgeschiedenen Betreiber des Bohmter Hafens (v.l.n.r.) Peter Lucas, Petra Lucas, Martin Becker, Alwin Büter, Christoph Wonneberger, Friederike Schneider-Solf, Reinhard Heemann und Hans-Joachim Berg.

PS: Dieser Betrag wurde von Johannes Bartelt, Geschäftsführer der Grünen im Landkreis Osnabrück, verfaßt.